Am Bodensee zu angeln ist ein Erlebnis der Superlative: Europas drittgrößter See bietet über 30 Fischarten, eine atemberaubende Alpenkulisse und Angelmöglichkeiten vom Ufer wie vom Boot. Doch so vielfältig das „Schwäbische Meer“ ist, so komplex sind auch die Regeln: Drei Länder teilen den See, jedes mit eigenen Gesetzen, Schonzeiten und Karten. Wer die wichtigsten Grundlagen kennt – Fischereischein, Revierwahl, Köder und die saisonalen Besonderheiten – kann hier unvergessliche Angeltage erleben. Dieser große Ratgeber führt dich durch alle wichtigen Aspekte des Bodenseeangelns, von den rechtlichen Voraussetzungen über die besten Reviere bis hin zu den erfolgreichsten Techniken und Ködern.


Der Bodensee: Ein Gewässer der Superlative

Der Bodensee liegt am Alpenrand, wo Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammentreffen. Mit rund 536 km² Wasserfläche und einer maximalen Tiefe von etwa 251 Metern ist er der drittgrößte See Mitteleuropas. Er gliedert sich in den großen, tiefen Obersee (473 km²) und den flacheren, nährstoffreicheren Untersee (63 km²) im Westen. Diese Zweiteilung ist für Angler entscheidend: Während der Obersee ein kaltes, klares Gewässer für Salmoniden und Felchen ist, bietet der Untersee mit seinen krautigen Ufern und Flussmündungen deutlich mehr Nahrung und damit bessere Bedingungen für Hecht, Barsch und Karpfen.

Mehr als 30 Fischarten leben im Bodensee. Zu den beliebtesten Zielfischen gehören Hecht, Zander, Barsch (Kretzer/Egli), Seeforelle, Wels, Aal und Karpfen. Der Felchen (auch Renke oder Maräne genannt) ist der traditionelle „Brotfisch“ des Sees – allerdings gilt für ihn bis Ende 2026 ein totales Fangverbot, das unbedingt zu beachten ist. Ab Mai 2027 soll der Felchenfang dann unter strengen Auflagen wieder erlaubt werden.


Rechtliche Grundlagen: Fischereischein, Angelkarten und Bestimmungen

Der Fischereischein: Pflicht am gesamten See

Das Angeln am Bodensee ist nur mit einem gültigen Fischereischein möglich. Für deutsche Angler ist dies in der Regel der Jahresfischereischein des Heimatbundeslandes. Ausnahmen gibt es für Gäste aus dem Ausland: In Bayern (z. B. in Nonnenhorn) können sie einen drei Monate gültigen bayerischen Fischereischein für 22,50 € erwerben, ohne die Fischerprüfung ablegen zu müssen.

Angelkarten: Preise und Bezugsquellen

Die Kosten und die Zuständigkeiten unterscheiden sich je nach Ufer und Land erheblich. Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über die wichtigsten Optionen.

Ufer / Land Karte Preis (ca.) Bezug
Baden-Württemberg Uferkarte (Jahr) 40 € Vermögen und Bau BW, Amt Konstanz (schriftlich)
Baden-Württemberg Boot- und Uferkarte (Jahr) 80 € Vermögen und Bau BW, Amt Konstanz
Baden-Württemberg Monatskarte Ufer 20 € Tourist-Infos vor Ort (z. B. Kressbronn)
Bayern (z. B. Nonnenhorn) Tageskarte 15 € Tourist-Information vor Ort
Bayern (z. B. Nonnenhorn) Monatskarte 40 € Tourist-Information vor Ort
Bayern (z. B. Nonnenhorn) Jahreskarte 75 € Tourist-Information vor Ort
Vorarlberg (Bilgeri, Bregenz) Tageskarte ca. 25 € Familie Bilgeri (pro-fisch.at)
Schweiz (Kanton St. Gallen) Uferpatent (Jahr) ab CHF 90.- Kantonale Fischereibehörde
Schweiz (Kanton Thurgau) Jahrespatent CHF 120.- + 20.- Abgabe Kantonale Fischereibehörde

Wichtige Hinweise zur Bestellung:

  • Baden-Württemberg: Die Bestellung beim Vermögen und Bau BW, Amt Konstanz (Mainaustraße 211, 78464 Konstanz, poststelle.amtkn@vbv.bwl.de) ist nur schriftlich oder per E-Mail möglich – keine Ausgabe vor Ort. Die Beantragung ist ab 1. Oktober für das Folgejahr möglich.

  • Bayern: Die Karten für das bayerische Ufer (z. B. Lindau, Nonnenhorn) sind bei den Tourist-Informationen der Gemeinden erhältlich.

  • Vorarlberg: Im Revier Bilgeri in der Bregenzer Bucht kann bis zu vier Wochen ohne Fischereischein geangelt werden – es genügt eine Tages- oder Wochenkarte.

  • Schweiz: Für die Schweizer Seite benötigst du ein kantonales Patent (z. B. St. Gallen, Thurgau). Die Preise variieren je nach Kanton und Art des Patents (Ufer oder Boot).

Wichtige Bestimmungen im Überblick

  • Angelzeiten: Grundsätzlich ist das Angeln von einer Stunde vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang erlaubt. Nachtangeln ist verboten, mit Ausnahme des Aal- und Welsfangs vom Ufer aus, der mancherorts bis 01:00 Uhr gestattet ist.

  • Anzahl der Ruten: In der Regel sind zwei Angelruten mit maximal zwei Haken pro Rute erlaubt.

  • Köderfische: Diese müssen aus dem Bodensee stammen; der Handel mit Köderfischen ist verboten.

  • Schonzeiten und Mindestmaße (Auszug):

    • Karpfen: Keine Schonzeit, Mindestmaß 25 cm (Baden-Württemberg).

    • Seeforelle: Mindestmaß 60 cm (ab 2026).

    • Hecht: Schonzeit u. a. vom 1. Februar bis 30. April (kantonale Regelungen können abweichen).

    • Felchen: Ganzjährige Schonzeit (Fangverbot) bis Ende 2026.

  • Naturschutzgebiete: Das Angeln in Naturschutzgebieten und an Schiffsanlegestellen ist vom Ufer aus verboten.


Karpfenangeln am Bodensee: Der Fokus

Obwohl der Bodensee für Salmoniden und Felchen bekannt ist, hat er einen stabilen und in den letzten Jahren deutlich gewachsenen Karpfenbestand. Die Fangstatistiken zeigen einen klaren Aufwärtstrend: 2025 wurden im privaten Fischereirecht Bregenz 438 Kilogramm Karpfen gefangen – ein Rekordwert im Zehnjahresvergleich. Der Karpfen macht mittlerweile über 6 % des Gesamtfangs aus. Besonders der Untersee gilt als der beste Bodenseeteil für Karpfen und andere Friedfische.

Die besten Reviere für Karpfen

  • Bregenzer Bucht (Revier Bilgeri): Die fünf Häfen direkt am Bodenseeufer sind ein Hotspot für Karpfen. Das Nachtangeln ist hier mit Erlaubnis möglich, und die Karte ist unkompliziert erhältlich.

  • Gondelhafen in Friedrichshafen: Ein absoluter Klassiker. Hier werden Karpfen mit einem Durchschnittsgewicht von 3 Kilogramm gefangen, Fische mit 5 bis 6 Kilogramm sind nahezu täglich dabei. Der Köder der Wahl ist Mais.

  • Kleiner See in Lindau: Ein beliebtes und gut zugängliches Uferrevier auf der Lindauinsel, das sich gut für einen Ansitz auf Karpfen eignet.

  • Konstanzer Trichter und Seerhein: Hier werden Karpfen mit Längen von über 70 cm gefangen. Im Trichter suchst du am besten freie Stellen mit leichter Strömung in der Nähe von Krautfeldern in Tiefen zwischen 3 und 5 Metern.

  • Argenmündung bei Langenargen: Ein Hotspot, an dem regelmäßig Karpfen gefangen werden.

Tiefen und Köder

Am Bodensee haben sich für Karpfen Tiefen zwischen 4 und 8 Metern bewährt, in denen ein Frolic-Boilie-Rig angeboten wird. Im Winter ziehen sich die Karpfen in die tiefsten Bereiche zurück – dann ist der Hafenbereich oft die erste Adresse. Als Köder funktionieren neben Mais (besonders am Gondelhafen) auch Boilies und Frolic. Da das Wasser sehr klar und nährstoffarm ist, solltest du auf eine natürliche Präsentation achten und nicht zu massiv anfüttern. Dosenmais ist ein hervorragender Köder für Karpfen und Brasse. Allerdings besteht bei Mais das Problem, dass Weißfische den Köder oft vor dem Karpfen nehmen. Als Alternative bieten sich Boilies oder größere Köder an.

Die Alternative: Vereinsgewässer im Hinterland

Wenn du gezielt auf Karpfen angeln willst und die Weite des Sees meiden möchtest, sind die Vereinsgewässer im Bodensee-Hinterland eine hervorragende Alternative. Sie sind oft nährstoffreicher und die Fische leichter zu finden.

  • Siechenweiher (Meersburg): Ein Vereinsgewässer des ASV Meersburg mit einem hervorragenden Bestand an dicken Karpfen und Schleien. Tageskarten sind erhältlich. Mindestmaß Karpfen: 35 cm, Fanglimit: 2 Karpfen pro Tag.

  • Andelshofer Weiher (Überlingen): Ein etwa 32 Hektar großer, flacher Stauweiher mit starkem Karpfenbestand. Gastkarten sind allerdings nur für Übernachtungsgäste der Stadt Überlingen mit gültigem Fischereischein und ECHT Bodensee Card erhältlich. Mindestmaß Karpfen: 35 cm.


Weitere wichtige Reviere und Fischarten im Überblick

Revier Besonderheit Karten & Infos
Bregenz (Bilgeri) 5 Häfen, sehr artenreich, Nachtangeln möglich, 4 Wochen ohne Fischereischein Tages-/Wochenkarten über Familie Bilgeri
Lindau Kleiner See als beliebtes Uferrevier; Fischereischein Pflicht Karten bei der Tourist-Info Lindau
Meersburg Siechenweiher als Top-Karpfengewässer; Bodensee mit steiler Kante Siechenweiher-Karten über HejFish/ASV; Bodensee-Monatskarten im Gäste-Service
Überlingen Andelshofer Weiher mit starkem Karpfenbestand (nur für Gäste) Karten beim SAV Überlingen / Waffengeschäft Hüttl
Konstanz Konstanzer Trichter & Seerhein mit kapitalen Karpfen (>70 cm) Zusatzkarte für den Trichter nötig (20 €, nur Boot)
Friedrichshafen Gondelhafen als Karpfen-Hotspot (3 kg Ø); Rotachmündung Bodensee-Karten beim ForstBW; Rotach-Tageskarten nur über HejFish
Kressbronn Argenmündung als Hotspot; Schleinsee im Hinterland Bodensee-Monatskarten in der Tourist-Info; Argen nur für Übernachtungsgäste

Weitere Fischarten und ihre Reviere:

  • Hecht: Am besten im Frühjahr und Herbst in Ufernähe und an Krautkanten. Bewährte Methoden sind Schleppfischen mit tieflaufenden Wobblern und Spinnfischen mit Gummifisch.

  • Zander: Bevorzugt strukturreiche Bereiche und wird meist mit Gummi- oder Köderfischen gefangen. Gute Stellen sind Häfen und Uferkanten. Die besten Zeiten sind die Dämmerung und die Nacht.

  • Barsch (Egli/Kretzer): Ein unterschätzter Räuber, der sich gut mit Dropshot und kleinen Gummiködern entlang von Hafenmauern und Abbruchkanten fangen lässt. Die Hegene ist die klassische Bodensee-Methode für Barsche und Saiblinge.

  • Seeforelle: Ein Zielfisch der kälteren Jahreszeiten. Die besten Chancen bestehen im Herbst und Winter beim Schleppfischen im offenen See. Mindestmaß: 60 cm.


Jahreszeiten und ihre Besonderheiten

  • Frühling: Sobald die Schonzeit für viele Raubfische endet, wird es am Ufer interessant. Die Fische ziehen in flachere, sich erwärmende Zonen. Der Konstanzer Trichter und der Seerhein sind jetzt gute Reviere für Hecht und Barsch.

  • Sommer: Die frühen Morgen- und späten Abendstunden sind die produktivsten. In der Nacht sind fette Aale und Karpfen unterwegs. Die Uferbereiche sind oft von Badenden bevölkert – suche ruhigere Zonen oder weiche auf das Boot aus.

  • Herbst: Die Fische bereiten sich auf den Winter vor und fressen sich Reserven an. Karpfen sind jetzt besonders aktiv und lassen sich gut mit Frolic oder Boilies in Tiefen von 4–8 Metern überlisten. Auch die Seeforelle ist jetzt ein attraktiver Zielfisch – ihre Schonzeit beginnt jedoch regional unterschiedlich früh (teils ab 1. Oktober oder 1. November).

  • Winter: Das Angeln vom Boot aus ist ganzjährig erlaubt, sofern es die Witterung zulässt. Die Fische ziehen sich in größere Wassertiefen zurück. Karpfen stehen jetzt dicht gedrängt an den tiefsten Stellen – im Hafenbereich von Friedrichshafen oder in den tiefen Zonen des Obersees. Die Köder sollten klein und hochattraktiv sein.


Fazit

Der Bodensee ist kein einfaches, aber ein außergewöhnliches Angelrevier. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Vorbereitung: Kläre vor deiner Reise unbedingt, welches Ufer (Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg oder Schweiz) du befischen willst, wo du die passende Karte bekommst und welche Schonzeiten und Mindestmaße dort gelten. Wenn du gezielt auf Karpfen aus bist, sind der Gondelhafen in Friedrichshafen, die Bregenzer Bucht und der Konstanzer Trichter deine ersten Adressen – oder du weichst auf die fischreichen Vereinsgewässer wie den Siechenweiher in Meersburg aus.

Die wichtigsten Regeln für die Praxis:

  • Fischereischein: Am gesamten See Pflicht (Ausnahme: Revier Bilgeri in Bregenz für bis zu 4 Wochen).

  • Karten: Preise und Bezugsquellen variieren stark je nach Ufer – frühzeitig informieren und beantragen (BW: schriftlich per E-Mail an das Amt Konstanz).

  • Felchen-Verbot: Gilt bis Ende 2026 – unbedingt beachten.

  • Nachtangeln: Grundsätzlich verboten, Aal- und Welsfang vom Ufer oft bis 01:00 Uhr erlaubt.

  • Karpfen: Keine Schonzeit, Mindestmaß 25 cm (BW) bzw. 35 cm (viele Vereinsgewässer). Beste Reviere: Gondelhafen, Bregenzer Bucht, Konstanzer Trichter.

  • Köder: Mais (besonders am Gondelhafen), Frolic-Boilie-Rigs in 4–8 m Tiefe.

  • Jahreszeiten: Frühling/Sommer für Hecht und Barsch am Ufer; Herbst für Karpfen und Seeforelle; Winter für Karpfen in der Tiefe.

Wer diese Grundlagen beherrscht und bereit ist, sich auf die Eigenheiten dieses einzigartigen Dreiländersees einzulassen, wird am Bodensee Angeltage erleben, die in Erinnerung bleiben.