Der Bodensee-Obersee im Überblick
Der Bodensee-Obersee ist der Hauptteil des Bodensees und erstreckt sich von Bregenz bis nach Konstanz. Mit 473 Quadratkilometern Wasserfläche und einer maximalen Tiefe von 254 Metern ist er der größte See Deutschlands und ein Gewässer von europäischer Bedeutung. Die Fischerei im Bodensee-Obersee wird von den Vertragsstaaten der Bregenzer Übereinkunft von 1893 in internationaler Zusammenarbeit geregelt und gefördert. An der einmal jährlich tagenden Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) werden die Vorschriften zur Fischereiausübung den jeweiligen Entwicklungen im See angepasst und festgelegt. Dadurch sind einheitliche Regelungen sowohl für die rund 150 Berufsfischer als auch für die etwa 12.000 Angelfischer am See gewährleistet.
Der Karpfen ist im Bodensee-Obersee eine wichtige Fischart, wenn auch nicht die dominierende. Die für Berufs- und Angelfischer wichtigsten Fischarten sind Felchen, Barsch (Kretzer oder Egli), Seeforelle, Seesabling, Zander, Aal, Hecht, Rotauge, Brasche und Karpfen. Karpfen sind Warmwasserfische, und ihr Vorkommen am Obersee hat in den letzten Jahren zugenommen. Nach den Hitzesommern 2003 und 2018 konnte ein deutlicher Anstieg im Bestand und Ertrag von Arten wie den Karpfen und den Welsen beobachtet werden. Wenn die Karpfen in die Häfen ziehen, fliehen sie in der Regel vor den Kormoranen – ein Verhalten, das sich Karpfenangler zunutze machen können.
Die besten Stellen für Karpfen am Bodensee-Obersee
Friedrichshafen – Gondelhafen und Fährhafen
Der Gondelhafen in Friedrichshafen, dort wo die Fähre nach Romanshorn abfährt und ankommt, ist einer der bekanntesten Karpfen-Spots am Bodensee-Obersee. Das Durchschnittsgewicht mit 3 Kilogramm liegt recht hoch, Fische mit 5 bis 6 Kilogramm werden nahezu täglich gelandet. Als Köder wird vor allem Mais empfohlen.
Der Fährhafen in Friedrichshafen darf ganzjährig von den beiden Ufermolen aus befischt werden – allerdings erst ab der entsprechenden Beschilderung an der Ostmole. Die Stege und die Seestraße im Hafenbereich sind ganzjährig für die Angelfischerei gesperrt.
Ein weiterer Geheimtipp in Friedrichshafen ist die Spundwand gegenüber vom Molleturm – hier gibt es laut erfahrenen Anglern eine „Karpfengarantie“, allerdings eher kleinere Fische zwischen 30 und 40 Zentimetern.
Lindau – Bayerisches Ufer
Der Lindauer Hafen ist ein weiterer Hotspot am Bodensee-Obersee. Hier können Karpfen, Brassen, Aal und Trüsche gefangen werden. Besonders in den Häfen zwischen den Stegen stehen die Karpfen im Sommer oft so eng, dass man sie mit der Hand fangen könnte.
Flussmündungen – Argen und Bregenzer Ach
Die Mündungen der Zuflüsse sind besonders empfehlenswert. Die Argen und die Bregenzer Ach sind bekannte Hotspots, an denen sich Karpfen gerne aufhalten. Auch der Bereich um die Rotachmündung in Friedrichshafen ist interessant – allerdings ist die Rotachmündung selbst von der Angelerlaubnis ausgenommen.
Konstanzer Trichter und Mainauwasser
Am Konstanzer Trichter ist das Uferangeln entlang Richtung Eisenbahnbrücke möglich, da es relativ schnell tief wird. Das Mainauwasser – vom Freizeitbad Horn bis kurz vor Litzelstetten – kann für ca. 30 Euro pro Jahr (regulär) bzw. 13 Euro für Touristen (21 Tage gültig) vom Boot und Ufer aus beangelt werden.
Regelungen und Bestimmungen am Bodensee-Obersee
Mindestmaß und Schonzeit
Am Bodensee-Obersee gilt für Karpfen ein Mindestmaß von 25 cm und eine Schonzeit vom 1. Mai bis 15. Juni. Während der Schonzeit dürfen auf Karpfen keine gezielten Fänge durchgeführt werden. Zum Vergleich: Zander hat ein Mindestmaß von 40 cm und Schonzeit vom 1. April bis 31. Mai, Hecht hat Schonzeit vom 1. November bis 10. Januar mit einem Mindestmaß von 60 cm, Schleie hat ein Mindestmaß von 20 cm und Schonzeit vom 1. Mai bis 15. Juni.
Angelzeiten
Die Ausübung der Fischerei mit Angelfischereigeräten ist täglich eine Stunde vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang erlaubt. Der Fang von Aalen und Raubfischen (Wels, Hecht, Barsch und Zander) vom Ufer aus ist bis 01.00 Uhr gestattet. Das Nachtangeln auf Karpfen ist nicht erlaubt – planen Sie Ihre Sessions daher für die Tagesstunden.
Erlaubnisschein und Fischereischein
Für das Angeln am Bodensee-Obersee benötigen Sie einen gültigen Fischereischein sowie einen Erlaubnisschein für das jeweilige Gewässer. Die „Domänenkarte“ umfasst den Überlinger See und den Obersee bis zur bayerischen Landesgrenze. Die Gebiete Mainau, Konstanzer Trichter sowie einige Schongebiete sind ausgenommen.
Preise für die Domänenkarte (Baden-Württemberg):
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Jahr, Boot und Ufer: 80 € (regulär) / 40 € (ermäßigt)
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Jahr, Ufer: 40 € / 20 €
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Monat, Boot und Ufer: 40 € / 20 €
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Monat, Ufer: 20 € / 10 €
Preise für das Mainau Privatfischwasser:
Preise für die bayerische Seite (Lindau/Westallgäu):
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Tageskarte: 10 €
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Monatskarte: 30 €
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Jahreskarte: 60 € zzgl. Gebühren
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Kartenverkauf: Park-Camping Lindau, Verkehrsamt Nonnenhorn, Tourist-Information Wasserburg
Gesperrte Bereiche
Am baden-württembergischen Bodensee-Obersee gibt es zahlreiche ausgenommene Uferstrecken, darunter:
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Der Konstanzer Trichter (Stadt Konstanz)
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Die Uferstrecke von der Rosenau bis Litzelstetten-Henkerlöle
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Der Bereich beiderseits der Mainau (Obere und Untere Güll)
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Die Rotachmündung in Friedrichshafen
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Die Stege und die Seestraße im Hafenbereich Friedrichshafen
Das Angeln im Naturschutzgebiet ist grundsätzlich verboten. Berufsfischer sind davon ausgenommen. Es existieren Ausnahmebereiche für das Angelverbot im Naturschutzgebiet „Reutiner Bucht“.
Ausrüstung für das Karpfenangeln am Bodensee-Obersee
Ruten und Rollen
Am Bodensee-Obersee sind längere Ruten von Vorteil, da Sie oft über weite Distanzen oder von Molen aus angeln. Ruten mit 3,0 bis 3,5 lb Testkurve und einer Baitrunner-Rolle ab 4000er Größe sind ideal. Für das Uferangeln an den Häfen reicht oft eine Grundrute mit 2,75 bis 3,0 lb.
Montagen
Die Laufbleimontage ist der Allrounder für den Bodensee-Obersee und eignet sich besonders für Einsteiger. Für das Angeln in Tiefen zwischen 4 und 8 Metern empfiehlt sich ein Frolicboilie-Rig. Bei Pop-Up-Präsentationen hat sich ein Multi-Rig mit gelben Pop-Ups bewährt, die farblich perfekt den Maiskörnern angepasst sind. Das Safety Bolt-Rig mit Safety-Clip ist eine gute Wahl, wenn Hindernisse im Wasser zu erwarten sind – das Blei löst sich bei einem Hänger und sichert den Fisch.
Köder
Der Mais gilt als der fängigste Köder für Karpfen am Bodensee-Obersee. Daneben kommen Boilies, Teig, Frolic, Würmer und Maden in Frage. Im Winter hat sich eine Mischung aus Mais, Groundbait und Baitmaster Liquid sowie 16-mm-Boilies bewährt. Das Futter sollte hochattraktiv, löslich und optisch ansprechend sein. In stark befischten Seen sind Partikel oft die bessere Wahl als Boilies – kombinieren Sie beide, um das Beste aus beiden Welten zu nutzen.
Jahreszeiten und Strategien
Winter – Die beste Zeit für Großkarpfen
Der Bodensee-Obersee friert selbst bei anhaltender Kälte kaum je zu und bietet im Winter die Chance auf kapitale Karpfen, wenn andere Gewässer nicht mehr befischbar sind. Suchen Sie gezielt geschützte Bereiche, in denen sich die Karpfen sammeln und natürliche Nahrung finden. Im Winter gilt: Weniger ist mehr – füttern Sie sparsam, aber hochattraktiv. Ein Koi-Schuppi mit weit über 20 Kilogramm gleicht einem Sechser im Lotto, ist aber möglich. Ein Teamangler berichtet: „Das Karpfenangeln am Bodensee ist im Winter zäh und oft auch ergebnislos – für solche Momente zahlen sich die kalten Stunden aber allemal aus“.
Frühling – Nach der Schonzeit
Nach der Schonzeit (15. Juni) sind die Karpfen aktiv und suchen Nahrung. Die flachen Bereiche erwärmen sich schneller und locken die Fische an. Kleine Köder und zurückhaltendes Anfüttern sind jetzt erfolgreich.
Sommer – Aktivität in den Häfen
Im Sommer stehen die Karpfen in den Häfen oft dicht unter den Stegen. Der Gondelhafen in Friedrichshafen ist jetzt ein Hotspot. Allerdings sollten Sie die Badegäste meiden – in stark besuchten Buchten stören Schwimmer die Fische.
Herbst – Fressen für den Winter
Im Herbst bereiten sich die Karpfen auf den Winter vor. Proteinreiche Köder stehen jetzt im Mittelpunkt. Die Fische ziehen sich langsam in tiefere Bereiche zurück.
Praxis-Tipps für das Karpfenangeln am Bodensee-Obersee
Anfüttern mit System
Am Bodensee-Obersee ist konsequentes Anfüttern der Schlüssel zum Erfolg. Füttern Sie über mehrere Tage mit einer Mischung aus Mais, Partikeln und Boilies vor. Besonders in Flussmündungen und Häfen lohnt sich das Vorfüttern. Eine bewährte Strategie ist es, eine große Flussmündung bereits bei der Ankunft mit einer Mischung aus Mais und fermentierten Kohlenhydratködern zu präparieren.
Tiefen erkunden
Die Karpfen am Bodensee-Obersee halten sich oft in Tiefen zwischen 4 und 8 Metern auf. Loten Sie Ihre Stellen gründlich aus – ein Echolot ist hier von Vorteil.
Häfen und Stege absuchen
In vielen Häfen können Sie zwischen den Stegen angeln. Achten Sie auf die Beschilderung, denn manche Bereiche sind gesperrt. Der Fährhafen Friedrichshafen ist ganzjährig von den Ufermolen aus befischbar.
Sperrgebiete beachten
Informieren Sie sich vorab über die ausgenommenen Uferstrecken. Besonders am Konstanzer Trichter und beiderseits der Mainau gelten spezielle Regelungen.
Bootsangeln in Betracht ziehen
Wer vom Boot aus angeln möchte, benötigt eine Bootskarte und teilweise eine Einweisung durch einen Berechtigten. Am Konstanzer Trichter ist eine Einweisung durch den ASV Konstanz erforderlich.
Fazit: Der Bodensee-Obersee – Eine lohnende Herausforderung
Der Bodensee-Obersee ist kein einfaches Karpfengewässer. Die Dimensionen des Sees, die nomadischen Karpfen und die strengen Regelungen erfordern Geduld, Ausdauer und die richtige Strategie. Doch wer sich auf die Herausforderung einlässt, wird mit außergewöhnlichen Fängen belohnt – von makellosen Schuppenkarpfen, die noch nie einen Haken gesehen haben, bis hin zu kapitalen Winterkarpfen über 20 Kilogramm.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren im Überblick:
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Die richtige Stelle: Häfen (Friedrichshafen, Lindau), Flussmündungen (Argen, Bregenzer Ach) und geschützte Buchten
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Der richtige Köder: Mais als fängigster Köder, kombiniert mit Boilies und Partikeln
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Die richtige Jahreszeit: Winter für Großkarpfen, Sommer für Häfen
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Konsequentes Anfüttern: Ohne systematisches Vorfüttern geht am Bodensee-Obersee wenig
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Regelungen beachten: Mindestmaß 25 cm, Schonzeit 1. Mai bis 15. Juni, Nachtangelverbot auf Karpfen
Petri Heil und tight lines am Bodensee-Obersee!
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